11 Fragen an … Kulturpolitikerin Maria Helmis

Jérôme Lenzen, Ko-Geschäftsführer des Kölner Instituts für Kulturarbeit und Weiterbildung, hat viele Fragen! 11 davon stellt er Kunst- und Kulturschaffenden in Köln. Das Besondere? Die Fragen bleiben identisch, die Befragten jedoch wechseln.

Heute spricht Jérôme mit Maria Helmis. Sie ist 30 Jahre alt, seit November 2020 Mitglied des Stadtrats (SPD) und glühende Kämpferin für die Kölner Kulturlandschaft. Außerdem ist sie stellvertretende Vorsitzende des Kölner Kulturforums und langjähriges Mitglied im Bundespräsidium der Kulturlogen e.V.

Für mich ist Köln ohne Kultur nicht lebensfähig. Daher der Slogan meines Kommunalwahlkampfs: ‚Kultur ist das Herz der Stadt‘.

Wofür steht die Kölner Kultur (respektive was ist typisch für Köln)?

Kölner Kultur ist für mich die Verkörperung der Breite des Kulturbegriffs: Vom etablierten und bundesweit beachteten Schauspiel über eine einzigartige Photoszene, einer starken Galerienlandschaft hin zu unserer lebendigen freien Szene, die subversive Akzente in unsere Stadtgesellschaft trägt und als Motor für moderne Stadtentwicklung fungiert. Gerade in Zeiten von pandemiebedingten Schließungen, Absagen kultureller Veranstaltungen und der Bedrohung freier Kulturräume gilt es mehr denn je, sich der Bedeutung der Kultur für unsere Stadt bewusst zu sein und diese entsprechend großzügig zu fördern.

Welche Kulturveranstaltung in Köln (Ausstellung, Festival, Konferenz etc.) hat Dich zuletzt vom Hocker gehauen?

Die Ausstellung „BD. Memorial for *** E.S.” der Kölner Künstlerin Brigitte Dunkel in der artothek. Ein tiefgehendes Installationsgefüge zu Geschlechtsidentitäten und Erinnerung, untermalt mit spannenden Verweisen auf popkulturelle und feministische Diskurse.

Und wo hast Du Dir mehr erhofft?

Vom gesamten Jahr 2020.

Gibt es eine/n Kulturschaffende/n in Köln, die/der von Dir besonders bewundert wird?

Die queer-feministische Initiative “And she was like Bäm” und Aneta Rostkowska, die künstlerische Leiterin der Temporary Gallery.

Ai Wei Wei hat Berlin unter großem Getöse verlassen, welchen Kulturmenschen hättest Du gerne in Köln?

Mir sind alle Kulturschaffenden willkommen. Wichtig ist, dass wir die, die jetzt hier sind, halten und im konstruktiven Dialog mit allen beteiligten Akteur*innen bleiben. Weil Jérôme mich aber zu einer Antwort gedrängt hat: Jerry Saltz!

Neue Oper, neue Museen, neuer Dom? Was für ein Gebäude wünscht Du dir für Köln?

Ganz klar: Eine Kunsthalle.

Und welches gibt es schon, das Dir besonders gefällt?

Unumgänglich: der Kunstverein. Architektonisch: das Kolumba-Museum. Stadtentwicklungspolitisch: raum13. Erinnerungskulturell: der bunker k101 in der Körnerstraße. Beachtenswert: die zahlreichen jungen Galerie- und nicht-kommerziellen Ausstellungsräume Kölns: beispielsweise die Ebertplatzpassagen, die Galerie Alber oder der Ausstellungsraum Mélange.

‚Kultur lebt in Köln‘ heißt der neue Slogan des Stadtmarketing: Was wäre Deiner?

Für mich ist Köln ohne Kultur nicht lebensfähig. Daher der Slogan meines Kommunalwahlkampfs: „Kultur ist das Herz der Stadt.“

In Berlin schließen die ersten Clubs, wird jetzt Köln zur Nummer 1 oder doch Wuppertal?

Es geht hier meiner Meinung nach nicht um das Kompetitive zwischen urbanen Zentren. Um unsere lebendige Klubkultur gerade in Corona-Zeiten zu bewahren, ist es wichtiger denn je, die Livemusikspielstätten und Veranstaltungsräume unserer Stadt nicht als ‘nice to have’ zu deklarieren, sondern sie aktiv zu fördern sowie gemeinsam mit ihnen tragfähige und zukunftsweisende Perspektiven für eine Zeit nach dem kulturellen Lockdown zu entwickeln.

Ehrenfeld wird teurer, wo ist die Freie Szene jetzt noch zu Hause?

Hoffentlich bald verstärkt wieder in allen Veedeln unserer Stadt. Dies schaffen wir über eine Kulturquote bei Neubebauung sowie über ein städtisch gefördertes Angebot zur kulturellen Zwischennutzung bei Leerständen.

Wem sollen wir diese Fragen als nächstes stellen?

Winfried Gellner <3 

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